Ein Samstagvormittag Anfang März: Eine kleine Gruppe rund um Kaplan Herr Alexander in Tirschenreuth wuselt rund um die Kirche so wie dem Pfarrzentrum und macht noch die letzten Vorbereitungen. Denn es steht ein durchaus besonderer Tag für Tirschenreuth an – die Jugend2000 kommt für einen PRAYDAY zu Besuch!

Leere Bänke?

Um Punkt 10 Uhr legt die Band mit einem wunderschönen, musikalischen Morgenlob los. Bisher haben noch nicht wirklich viele Gäste den Weg gefunden. Die Moderation scherzt bei der Begrüßung darüber und weckt die Hoffnung, dass sich die Bänke mit der Zeit sicher noch füllen werden. Das erste Highlight des Tages lässt auch gar nicht lange auf sich warten.

Wer ist Jesus?

Herr Dirk von den Augustiner-Chorherren, aus dem Süden unserer Diözese, ist extra in den fast äußersten Norden gekommen, um eine Einführung zu geben: Wer ist Jesus Christus und was hat er eigentlich mit mir zu tun? Es war ein regelrechter Rundumschlag – von historischen Fakten über persönliche Erfahrungen bis hin zu einer KI-generierten 3D-Animation, mit der man der Vorstellungskraft auf die Sprünge helfen kann. Ein kurzes Zeugnis von Paul – einem jungen Mann, der vor Kurzem den Weg zum katholischen Glauben gefunden hat – und dessen bemerkenswerte Lebensgeschichte rundet den Vormittag ab.

Voll Bänke und ein skandalöser Sprecher?

Die Sitzplätze füllen sich so langsam, sodass der Speisesaal zum Mittagessen bereits größtenteils belegt ist. Die Zeit wird genutzt, um neue Leute kennenzulernen, Altbekannte wiederzutreffen oder sich einfach nur mit Käsespätzle zu stärken. An manchen Tischen wird bereits über das Nachmittagsprogramm diskutiert, denn eine kurze Googlesuche über einen gewissen Torsten Hartung, der auf dem Programm steht, hatte bei manchen fast schon für Entsetzen gesorgt. Ein verurteilter Mörder und Boss eines Autoschieberings soll das sein – was macht so einer nur bei einer katholischen Veranstaltung???

Doch bevor dieses Geheimnis gelüftet wird: Erst einmal raus an die frische Luft, um sich bei strahlend blauem Himmel die Beine mit einem kleinen Spaziergang durch die Altstadt zu vertreten. Zurück im Pfarrzentrum stehen bereits die Workshops in den Startlöchern. Drei Stück, zu ganz unterschiedlichen Themen, stehen zur Auswahl: Lebensschutz (1000plus), Jüngerschaft (Herr Alexander) und der Heilige Geist (Vorstand des Regensburger Evangelisationswerks) – sodass jeder etwas finden kann. Nachdem bei allen Workshops viel gehört und diskutiert worden war, stimmt die Band in der Kirche noch einmal ihren Lobpreis an.

Von True Crime zu Jesus

Danach geht es weiter mit dem bereits berühmt-berüchtigten Torsten Hartung. Angekündigt mit der Spannung einer True-Crime-Story, aber mit echter Hoffnung und einem richtigen Happy End. Torsten erzählt von seiner schwierigen Kindheit, seiner zutiefst bösartigen und kriminellen Zeit als junger Erwachsener, bei der die Nerven ganz schön aufgerieben werden und die Spannung regelrecht in der Luft knistert. Seine verblüffende Lebenswende nach der Inhaftierung und die faszinierende Art und Weise, wie Gott sein Leben radikal zum Guten verändert hat, hinterlassen einen bleibenden Eindruck von der Barmherzigkeit Gottes.

Nach so viel Wissen und neuen Eindrücken kommt die frisch gebackene Pizza, die im Speisesaal bereits duftet, als Abendessen gerade recht. Es heißt, sich noch einmal zu stärken für das Abendprogramm, bei dem uns der Höhepunkt des Tages erwartet.

Abend der Barmherzigkeit

Bevor es wieder in die Kirche zurückgeht, steht erst einmal noch ein Rosenkranz an. Es haben sich fünf Vorbeter gefunden, jeder in einer anderen Sprache. So wurde einem die allumfassende Bedeutung des Wortes „katholisch“ noch bewusster.

In der Kirche zelebriert Herr Alexander die Messe. Seine Predigt über „missionarische Jüngerschaft“ lässt eine ernsthafte Hoffnung aufkommen, dass der momentane Abwärtstrend in der katholischen Kirche sicher nicht das Ende sein wird. Direkt im Anschluss wartet die persönliche Begegnung mit Jesus in Form der Eucharistie beim Abend der Barmherzigkeit – von der Band stimmungsvoll und tiefgehend gestaltet, eine besondere Gebetszeit mit reger Möglichkeit zum Einzelsegen und zur Beichte.

Für alle, die noch etwas Zeit hatten, warteten im Pfarrhof noch ein paar Knabbereien für einen gemütlichen Ausklang. Und kurz vor Mitternacht kehrt dann Ruhe ein und die Tür des Pfarrzentrums fällt endgültig ins Schloss. Also vorerst – denn wer weiß, vielleicht folgt in den nächsten Jahren eine Fortsetzung in Form eines Prayerfestivals…