von Johann Rhee
Vom 23. bis 25. Mai fand bereits das 5. Pfingstfestival in Regensburg mit neuem Besuchsrekord statt: 1300 junge Menschen feierten Jesus, und erlebten ein inspirierendes Festival des Heiligen Geistes. Organisiert wurde es von der JUGEND2000 Regensburg, und der Loretto Gemeinschaft.
Das Event für viele Christen
Fragt man die Teilnehmer oder Mitarbeiter, was ihnen das Pfingstfestival bedeutet, so wird schnell deutlich, dass es zu einem entscheidenden Punkt ihrer Glaubensbiografie gehört: Für viele fängt ihr Weg mit Jesus hier an! Von Jahr zu Jahr werden es mehr Teilnehmer. Nahmen an den 30 Locations im deutschsprachigen Raum letztes Jahr noch 12.000 Menschen teil, so waren es heuer über 18.000.
Zeichen des Aufbruchs
„Das erregt Aufsehen! Die Leute fragen sich, was da los ist bei uns“, sagt Georg Mayer Melnhof in einer Liveschaltung. „Aber lassen wir uns nicht verunsichern! Wir sind mittendrin in einem Aufbruch des Glaubens. Freuen wir uns!“
Das Geheimnis des Erfolgs
Fragt man den Leiter des Regensburger Pfingstfestivals, des größten christlichen Erneuerungs-Events im Regensburger Raum, was das Geheimnis seines Erfolgs ist, kriegt man von Josef Irl eine Antwort, die auf dem ersten Blick ungewöhnlich klingt:
„Wir haben kein Geheimrezept. Zuerst einmal gilt, dass unsere Vorbereitungen durchdrungen sind vom Gebet und von einer Haltung, dass wir Jesus alles hinhalten und ihm nachfolgen wollen.“
Und dann kommt doch eine Art „Geheimrezept“, das er immer wieder wiederholt:
„Uns ist es wichtig, eine Kultur der Liebe und Annahme zu schaffen. Wir wollen den Boden bereiten, dass Leute sich angenommen fühlen.“
Diese Antwort überrascht tatsächlich bei einem perfekt organisierten Programm, bei professionellem Lobpreis mit Lichtershow, renommierten Key-Speakern und einem Team von 180 Freiwilligen in unterschiedlichsten Abteilungen, bei denen man das Gefühl hat, dass ihr Dienst abläuft wie ein wohlgeöltes Fuhrwerk – ansonsten könnten sie nicht so ein Gefühl der „Familie“ heraufbeschwören.


Das Drama des menschlichen Lebens …
Das Festival wurde diesmal von einem Musical eröffnet, das auf unglaublich gute Art einleitete, worum es beim Pfingstfestival eigentlich geht: Um Gott, der da ist und unser Leben in gute Bahnen lenken kann.
Am Anfang des Musicals sehen wie, wie Maries junges Leben aus den Fugen gerät und ihr alles um die Ohren fliegt: Lügen, versäumte Verpflichtungen, gebrochene Versprechen!
Ein Kampf um ihr Herz entspinnt sich. „Gut“ und „Böse“ treten in Weiß und Schwarz gekleidet als Personifikationen auf die Bühne! Sie kämpfen um ihr Herz!
Nach einem langen Kampf rät „Gut“ ihr, auf Gott zu setzen, worüber „Böse“ sich hämisch lustig macht.
Marie ist hin und hergerissen. Sie fragt sich: „Bin ich es wert? Interessiert sich Gott überhaupt für mich? Bin ich soweit?“ „Ja“, ruft ihr „Gut“ auf jede der Fragen zu. Wie eine Ertrinkende, die sich an einen Rettungsring klammert, entringt sie sich schließlich ein lautes: „Ja, ich probier‘s!“
Nachdem sie sich für das Gute und Gott öffnet (und gegen das Böse entscheidet), erlebt sie, dass sich der krisenhafte, schreckliche Tag so wendet, dass sie sich nicht mit Hass und in Streit, sondern mit Frieden und Liebe in ihrem Herzen zu Bett legen kann. In der letzten Szene hören wir aus dem Off, wie Gott der schlafenden Marie zuspricht, dass er sie liebt und ihr geholfen hat und ihr weiterhin beistehen will.


Zwei Zeugnisse
Dass das kein frommes Ammenmärchen ist, sondern in der Realität genauso passiert, zeigen eindrücklich zwei Zeugnisse.
Kiro und Jenny, die ihr Lebenszeugnis geben, sind beides Menschen, die am Abgrund standen. Beide kriegen nach traumatischen Ereignissen, von denen sie detailliert berichten, ihr Leben nicht auf die Reihe.
„Bei jedem Runterschlucken schmeckte ich Bitterkeit“, berichtet Kiro, nachdem er bei einem islamistischen Anschlag Mutter, Schwester und Tante verlor. Nach Aufklärungsarbeit muss er sein Heimatland verlassen und flüchtet nach Deutschland, nur um sieben Jahr in Unsicherheit in einem Asylheim zu leben. (Hier könnt ihr sein ganzes Zeugnis Nachhören.)
Jenny findet sich nach schlimmen Ereignissen in der Kindheit in einer Spirale abwärts wieder: mehrfache Einweisungen in Psychiatrien und Einrichtungen, Suizidversuche, immer wiederkehrende Abstürze:
Beiden kann niemand helfen, es geht spiralförmig abwärts, die Welt und ihre Mittel kommen an ihr Ende.
Und stimmt es nicht: GIBT ES NICHT LEID, SO TIEF, DASS DARAN HIMMEL UND ERDE ZERBÜRSTEN. WEIL ETWAS WIE EINE KOSTBARE VASE IN MILLIONEN SPLITTER ZERBROCHEN, AUSGEKOTZT, ANGESPUCKT, HERAUSGERISSEN, VERGEWALTIGT, UND TOTGETRETEN WURDE? SO DASS MAN SICH BEIM VERSUCH, SIE ZUSAMMENZUSETZEN, NUR IMMER TIEFER UND TIEFER DIE HAUT EINRITZT?
Da „passiert“ beiden auf einmal „Gott“:
Bei Jenny ist es ein Ton im Lobpreis, der sie überwältigt und Gottes Liebe spüren lässt. Und mit ihr die Gewissheit, dass Gott da ist. Kiro, der jahrelang über die Frage, „warum“ mit Gott hadert, entschlüpft nach einem kilometerlangen Jogginglauf endlich die Frage: „wozu, Herr?“ Es ist für beide der Wendepunkt:
Stück für Stück können sie mit der Gewissheit, dass Gott da ist und sie liebt, einen Weg gehen, bei dem ihr Herz wieder weich wird, der tiefe Hass sich wendet. Gerade da, wo sie wie durch ein Wunder die zersplitterten Teile ihres Lebens zusammensetzen, strahlend sie fluoreszierend die Gnade Gottes wieder.
Junge Menschen
Vielen Teilnehmern des Festivals, die zum wiederholten Male da sind, ging es sicherlich ähnlich. Was besonders auffällt, ist die Präsenz von vielen strahlenden jungen Menschen, die das widerspiegeln. Wer dem Instagram-Kanal vom Festival gefolgt ist, hat sie nicht nur in der Werbung gesehen.
Viele von ihnen helfen aktiv an allen Ecken und Enden mit: Beim Essensausteilen, beim Ordnerdienst, beim Kinderdienst und vor allem beim Einüben eines Flashmobs.
Das verwundert, denn viele Dienste sind wirklich kein „Zuckerschlecken“, man kommt richtig ins Schwitzen, verpasst einiges vom Programm und leistet einen echten Dienst, den die meisten sicherlich nicht gerne tun würden.
Miriam, 20 Jahre alt, erläutert, warum sie das trotzdem tut: „Ich habe bei den vorherigen Festivals so viel empfangen. Nun möchte ich auch etwas weitergeben!“ Außerdem empfinden sie und ihre Freunde es auch als „Ehre“, mitmachen zu dürfen und sogar wichtiger Bestandteil des Programms zu sein, wie z.B. beim Musical oder Flashmob.



Abend der Barmherzigkeit
Das erste Highlight des Festivals war der „Abend der Barmherzigkeit“: Das Allerheiligste wurde ausgesetzt, freiwillig wurde dazu aufgerufen, bis in den Altarraum zu gehen, um sich von Gottes Liebe und Barmherzigkeit berühren zu lassen.
Die meisten Teilnehmer strömten ganz nahe nach vorne, empfingen Gebet, oder versuchten einen Neuanfang mit Gott in der Beichte zu machen. Für die, die seelisches oder physisches Leid mit sich tragen, gab es auch die Möglichkeit, das Sakrament der Krankensalbung in Anspruch zu nehmen.
Dieser Tag diente als gute Vorbereitung für das, was nun intensiv gefeiert wurde: Ein Festival des Heiligen Geistes. Nach diesem Abend war eine Veränderung der Stimmung der großen Menschenmenge deutlich spürbar.
Sag „ja“ zum Heiligen Geist
„Erlebe Pfingsten neu“, lautet ein Claim der Werbung zum Pfingstfestival. Und tatsächlich bot das Programm nun an, nicht nur die Pfingstliturgie intensiv mitzufeiern, sondern auch „Pfingsten“ für das eigene Leben lebendig zu machen.
Ein Programmpunkt bestand darin, in einem persönlichen Schritt, „ja“ zu Gott zu sagen und ganz persönlich um den Heiligen Geist zu beten.
Das ist durchaus sinnvoll, denn auch wenn wir den Heiligen Geist in Taufe und Firmung empfangen haben, sind wir dazu eingeladen, uns ihm gegenüber immer wieder neu zu öffnen.
Pfingstprozession
Und auch in einem weiteren Sinne war es für die Teilnehmer in Regensburg ein persönlich gefeiertes und erlebtes „Pfingsten“.
Das erste Pfingsten zum Vorbild nehmend und getreu dem Wunsch der Veranstalter „eine pfingstliche Erweckung“ zu erleben, zogen alle Teilnehmer in einer öffentlichen Prozession zum Dreifaltigkeitsberg.
Dabei lief eine große Menschenmenge quer durch Regensburg, vorbei an sitzenden und spazieren gehenden Menschen, an feiernden jungen Menschen in Dirndl und Tracht vor der Dult, die größtenteils verwundert, kopfschüttelnd oder mit offenem Mund den großen Zug betrachteten.
Sie hatten auch allen Grund dazu: Denn ganz vorneweg lief Bischof Voderholzer, während die Menge begleitet von einem Megafon Lobpreislieder, Bibelverse und Gebete sang und betete. An dem Blick so mancher Zuschauer konnte man ablesen, dass sie sich fragten, ob das hier gerade wirklich stattfand: „Ja, das tat es!“ Und ganz sicher bewirkte diese mehr, als mit bloßen Augen zu sehen war: Es war ein starkes geistliches Zeichen und ein bewegender Akt gelebter Ökumene:
Am Dreifaltigkeitsberg angekommen, beteten die Teilnehmer mit dem Bischof und Freikirchlern, die auch das Verlangen haben, dass es eine „pfingstliche Erweckung“ gibt, für ihre Stadt Regensburg: Dass Jesus der Herr über der Stadt sei, dass ER besonders jene segnen sollte, die es in unserer Stadt schwer haben und dass Liebe und Friede einkehren sollten.
Bischof Voderholzer gab den Teilnehmern noch die Worte mit, dass das Eine, was uns auszeichne – so denke er sich oft – nicht sei, dass wir „besser seien als andere“, aber dass wir den „Himmel für unsere Mitbrüder und – schwestern offenhalten.“ Wer an diesem Abend dabei war, konnte Zeuge davon werden, dass Christen das tun.




Pfingstparty
Spätestens mit der Pfingstparty brach die Freude aus. Sie startete direkt nach der Prozession und wurde von den meisten jungen Menschen als „Must-Have“ besucht.
„Mir ist die Pfingstparty hinterher besonders wichtig, weil Gemeinschaft ein so wichtiger Pfeiler ist im Glauben, und wir hier richtig viel Raum dafür haben und einfach unsere Freude rauslassen können ,“ berichtet eine Teilnehmerin.
Tanzend und lachend und in tiefe Gespräche vertieft, feierte die junge Generation, die wie „high“ ohne Drogen wirkte, sich, das Leben und den liebenden Gott bis tief in die Nacht.
Pfingstmontag – die Freude
Am Pfingstmontag war zumindest in der Westmünsterkirche eine pfingstliche Stimmung deutlich spürbar. Das „Feuer“ war angezündet, so benannte es Neupriester Florian Illek bei dem Abschlussgottesdienst.
Wie aber nun weitermachen? Darum ging es in den letzten Talks des Festivals. Patrick Knittelfelder, der Gründer und Leiter einer Jüngerschaftsschule in Salzburg sprach darüber, wie wichtig es sei, eine Vision für sein Leben zu haben. Und dass es immer darum ginge, Jesus ähnlich zu werden, und dazu in Gemeinschaft zu bleiben und auch an sich selbst zu arbeiten.
Florian Illek betonte, wie wichtig es sei, einen Glaubensalltag zu entwickeln und auch Orte zu finden, wo man mit anderen den Glauben weiterleben kann.
Dass, was man in der Welt nicht findet
Und am Ende des Festivals war wohl für jeden das, worüber das Musical berichtet hatte, wahr geworden oder anfangshaft angebrochen. Nämlich die Erkenntnis:
Gott macht glücklich, froh, strahlend.
Vielleicht noch einmal: Was macht das Pfingstfestival so „erfolgreich“?
Eigentlich hat das Musical am Anfang schon die Antwort gegeben, für das, was am Ende für alle sichtbar wurde: Dass junge Leute hier etwas finden und feiern, was sie in der „Welt“ so nicht finden: Ein weiches Herz, das offen ist für das Gute und somit für Gott. Und die überwältigende, ihnen Superkräfte vermittelnde Gewissheit: Da ist einer, der mich mag: Gott!



