Seit Juli ist Franziska Birnbreier die neue Bundesleitung. Die Stelle war seit Ende 2024 vakant: Gott sei Dank ist die Stv. Leitung mit vielen anderen, die ihre Arbeit erweitert haben, in die Lücke gesprungen. Nun ist Franzi da, die im Juli zur neuen Leitung gewählt wurde. Vielen Dank, liebe Franzi. Im Interview stellt sie sich vor.
Herzlichen Glückwunsch, dass Du die neue Leitung bist! Kannst du dich kurz vorstellen?
Ich bin die Franzi, 27 Jahre alt und bin Jugend- und Heimerzieherin für Jugendliche in einer Wohngruppe.
Wie bist du eigentlich mit der JUGEND 2000 verbunden?
Ich bin seit 17 Jahren bei der Jugend 2000: Damals bin ich durch meine Schwester „reingerutscht.“ Mit 18 Jahren bin ich nach Salzburg gezogen, um die J9 (Jüngerschaftsschule in Salzburg) zu machen. Als ich nach zwei Jahren dort wieder nach Hause kam, wurde ich gefragt, ob ich die 2. Leitung für die JUGEND 2000 in Diözese Rottenburg Stuttgart übernehmen will. Nach 3 ½ Jahren habe ich die erste Leitung übernommen, die ich jetzt 1 ½ Jahre gemacht habe. Aber ich hatte von Anfang an gesagt, dass ich nicht die volle Zeit von 3 Jahren übernehmen kann … Anfang des Jahres merkte ich, dass es an der Zeit ist, die Leitung jetzt abzugeben, aber überhaupt nicht, weil ich die Bundesleitung übernehmen wollte …
Wie bist du denn eigentlich dazu gekommen, jetzt die Bundesleitung zu werden?
Als ich mir überlegt habe, mit meiner Diözesanleitung aufzuhören, war das Einzige, was mich gestört hat, dass ich die Arbeit auf der Bundesebene sehr vermissen würde. Ich wollte mit Simon (2. Leiter und einziger Leiter seit November) ins Gespräch gehen, ob ich ins E-Team (ein Team, das den Leitern bei allen Aufgaben hilft) kommen könnte … Dann ging es plötzlich Schlag auf Schlag! Von meinem ersten Treffen bis zur Entscheidung, dass ich Bundesleitung werden möchte, war nicht einmal 1 Woche dazwischen! Das hört sich jetzt vielleicht unüberlegt an, aber ich habe es mir in der Woche wirklich nicht leicht gemacht und genau abgewogen, ob es für mich dran ist oder nicht.
Was ist passiert?
Die Stelle des ersten Leiters war seit November unbesetzt und um darüber zu beraten, wie es weitergeht, hatten wir ein Online-Treffen geplant mit Leitern und dem Ältestenrat. Im Treffen fragte Richard (Mitgründer der JUGEND 2000 in Deutschland) mich plötzlich, ob ich es nicht machen möchte. Da habe ich gemerkt, dass da irgendetwas in mir brennt. Ich gab zu, dass ich die Diözesanleitung abgeben werde und sich was in mir regt. Aber trotzdem habe ich nicht gleich zugesagt. Es war in mir ein inneres hin und her und zum Schluss wollte ich sogar absagen. Bevor ich das tat, telefonierte ich noch mit Ulli (Ältestenrat). In dem Telefonat habe aber hauptsächlich ich geredet… Ich habe ihr tausend Gründe genannt, wieso ich die Leitung nicht übernehmen kann, habe aber jedes Argument dann selbst widerlegt. Das Gespräch hat damit geendet, dass ich gesagt habe: „Danke, dass du mir zugehört hast, jetzt weiß ich, dass das Ausreden waren und ich es machen soll!“
Wie gehst du innerlich damit um, dass deine Position einerseits sehr einflussreich, andererseits aber auch sehr zeitintensiv und herausfordernd sein kann?
Ein Phänomen von mir ist, dass ich nicht zu viel über Herausforderungen nachdenke! Hätte ich z.B. gewusst, was mich in der Jüngerschaftsschule erwartet, dann hätte ich es vielleicht nicht gemacht, aber wäre auch niemals so stark gewachsen. Genauso war es mit der Diözesanleitung. Vielleicht gehe ich auch etwas blauäugig an die neue Leitungsposition, weil ich kaum an Schwierigkeiten denke, die kommen könnten: Aber ich habe keine Angst, weil ich weiß, dass Gott mich in den schwierigen Situationen vorbereitet und mir beisteht – das habe ich schon oft erlebt. Und ich weiß, er lässt nur das zu, was ich tragen kann. Aber ich bin mir bewusst, dass es sehr viel Verantwortung ist.

„Von meinem ersten Treffen bis zur Entscheidung, dass ich Bundesleitung werden möchte, war nicht einmal eine Woche dazwischen!“

„Aber ich habe keine Angst, weil ich weiß, dass Gott mich in den schwierigen Situationen vorbereitet und mir beisteht – das habe ich schon oft erlebt.“
Kann ich dir ein paar Spaßfragen stellen?
In zwei Sätzen, was macht dich aus?
Mir wurde mal gesagt, dass ich ein Hang für besondere Dinge habe. Und in unserer JUGEND 2000 Diözese bin ich bekannt dafür, dass ich sehr gutes Essen herzaubern kann. Mir ist es wichtig, dass sich die Leute um mich herum wohlfühlen. Deeptalk liegt mir besser als Smalltalk…
Was bringt dich auf die Palme?
Wenn jemand unauthentisch ist: Generell bin ich sehr geduldig, aber wenn ich merke, dass mir jemand etwas vorspielt oder mich anlügt, werde ich schnell ungeduldig. Und ich mag es nicht, wenn sich jemand überhaupt nicht entscheiden will und Entscheidungen immer mir überlässt.
Hast du eine Lebensphilosophie?
Ja, tatsächlich mag ich den Spruch von meinem Namenspatron, dem Heiligen Franz von Assisi, sehr gern: „Beginne damit, das Nötige zu tun, dann tue das Mögliche und plötzlich tust du das Unmögliche.“
Was ist deine witzigste, schrulligste Eigenschaft?
Ich kann aus dem Stehgreif keine Witze erzählen. Aber trotzdem lachen die Leute und meine Freunde oft, weil ich spontan witzig bin.

„Mir ist es wichtig, dass sich die Leute um mich herum wohlfühlen. Deeptalk liegt mir besser als Smalltalk…“
Nun ein paar Fragen zu deiner Leiterschaft:
Was ist für dich gute Leiterschaft?
Für mich ist gute Leiterschaft, wenn man den Überblick behält, nahbar ist, auch mit seinen MA spricht und Wertschätzung zeigt. Wichtig ist meiner Meinung nach auch, dass man gut delegieren kann, und sich nicht dem Gefühl hingibt, dass man alles selbst machen muss. Ich finde, es ist eine Form von Vertrauen den Mitarbeitern gegenüber, ihnen Aufgaben abzugeben und loszulassen. Man läuft zwar in Gefahr, dass es anders ist als man es sich selber vorstellt, aber meistens wird es besser als man es selbst hätte machen können.
Was ist dein Stil von MA-Führung?
Nahbar sein und Wertschätzung zeigen. Zumindest möchte ich das sein :)
Was motiviert dich in die Leitung zu gehen? Was treibt dich, vorne zu stehen, was motiviert dich da?
Dass es so coole Mitarbeiter auf Diözesanebene gibt. Mich motiviert der Mehrwert von dem was wir tun, für junge Leute und Erwachsene. Wenn wir die Veranstaltungen machen und alles geben, ist es das Schönste, die vielen leuchtenden Augen zu sehen und zu spüren, wie viele Herzen Gott finden – junge Menschen, die aus Trostlosigkeit in den Trost wechseln. Das ist schon sehr motivierend. Mich motivieren auch meine eigenen Erfahrungen die ich mit Gott gemacht habe: das Wissen, was er alles tun kann, wo er Wunder wirken kann, wo er freisetzen kann. Das möchte ich weitergeben und das ist der Grund, weshalb ich das alles mache!
Was sind deine Träume und Visionen für die Leitung?
Vielleicht wissen manche, dass die JUGEND 2000 auch international aktiv ist. Ich fände es cool, wenn der Austausch auf int. Ebene intensiviert wird. Außerdem sind mir unsere 12 Werte wichtig: diese Werte sind wir und wollen wir sein. Sehr wichtig ist es mir außerdem, andere Leute – junge Leute – zu befähigen, sodass Leiter entstehen, die besser sind als wir: Leiter machen Leiter.
Stell dir vor, deine drei Jahre sind vorbei: Sektkorken knallen. Was möchtest du bei deiner Laudatio sagen?
Idealerweise würde ich mich bei den vielen Supportern und Mitarbeitern bedanken, dass sie das Leiteramt für mich schöner und angenehmer gemacht haben. Ich würde darauf zurückblicken, was ich mit den Leuten und mit Gott zusammen alles geschafft habe: Was genau das ist, tue ich mir schwer vorauszusagen. Am Ende kommt alles viel besser! Ich bin offen dafür, dass Gott Größeres tut.

„Wenn wir die Veranstaltungen machen und alles geben, ist es das Schönste, die vielen leuchtenden Augen zu sehen und zu spüren, wie viele Herzen Gott finden – junge Menschen, die aus Trostlosigkeit in den Trost wechseln.“

